Wolfgang Kaempfer

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Wolfgang Kaempfer (1923-2009)

Wolfgang Kaempfer wurde am 3. Januar 1923 in Weißenburg (Bayern) geboren. Seine Eltern waren der Schriftsteller und Übersetzer Hans Kaempfer und die Sängerin Lisa Kaempfer, geb. Rupp. Er hatte zwei jüngere Schwestern. Seine Kindheit verbrachte er mit seinen Eltern in Braunschweig, im Haus seines Großvaters David Kaempfer, einem Physiker (Fachgebiet Optik und Photographie). 1934 ging die Familie nach Berlin, wo er seine Jugendzeit verlebte. Es gelang der Familie, den Vornamen Cohn des Posener Urgroßvaters aus den Papieren (seit 1933 gab es bereits den sogenannten Ahnenpass) herauszuhalten.

Ab 1941 erlebte Wolfgang Kaempfer den 2. Weltkrieg als Soldat und geriet am Ende des Krieges in russische Gefangenschaft. Die traumatischen Kriegserfahrungen und die 18-monatige Gefangenschaft prägten wesentlich seine späteren Veröffentlichungen. Nach der Heimkehr studierte er zunächst Naturwissenschaften und später Geisteswissenschaften an der Freien Universität (FU) Berlin und promovierte 1953 zum Dr. phil. im Fach Germanistik.

Anschließend war er als Dramaturg am Sender Freies Berlin (heute RBB) und beim Bühnenverlag Felix Bloch Erben tätig. Gleichzeitig arbeitete er an Romanprojekten und schrieb Die Gartengesellschaft, ein Hörspiel, das von Radio Bremen unter der Regie von Oswald Döpke produziert wurde. 1963 ging er zum Goethe-Institut und leitete nacheinander die Auslandsinstitute von Algier, Toulouse und Triest. Zu dieser Zeit veröffentlichte er verschiedene Aufsätze in Literaturzeitschriften (u. a. Recherches germaniques) und eine sehr kritische Monographie des Schriftstellers Ernst Jünger.

In den 1980er Jahren trat er in Verbindung mit der Gesellschaft für Historische Anthropologie (FU Berlin) und deren Mitbegründer Dietmar Kamper. Seine Arbeiten befassten sich seitdem zunehmend mit Problemen der Zeit, Geschichte, Ästhetik und Zivilisation, die zu den Hauptthemen seiner Buchveröffentlichungen gehören. Insbesondere entwickelte und formulierte er eine sehr eigenständige Zeittheorie, die im Zentrum seines wissenschaftlichen Interesses stand.

Sein letztes Theorieprojekt, das aus Gesprächen mit seinem Freund, dem Berliner Philosophen Klaus Heinrich entstanden ist, sollte den „zivilisationsstiftenden“ Herakles als Amokläufer in Szene setzen. In den Jahren vor seinem Tod widmete er sich jedoch auch wieder den lange in den Hintergrund getretenen Romanprojekten. Leider sind diese letzten Arbeiten Fragment geblieben.

Wolfgang Kaempfer war viermal verheiratet. Mit seiner zweiten Frau Dorothee geb. Schäfer hatte er einen Sohn. Er starb im Mai 2009 im Alter von 86 Jahren in Leezen in Mecklenburg. Sein Grab befindet sich auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend (Grablage: II-W1-47).

S c h r i f t e n

https://wolfgangkaempfer.wordpress.com/

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